Ein Bayer trinkt Smoothie.

Wie mein Mann anfing, Grünzeug zu essen.

Aller Anfang ist schwer und so hat auch jede neue Beziehung neben den rosa Wölkchen seine Tücken. Schatzi zog schon ziemlich bald nach unserem ersten Date bei mir ein und somit schwand das erste Gefühl der Verliebtheit und der Schmetterlinge im Bauch, denn jetzt hieß es sich auch als Paar im Alltag zu beweisen. Wo wir bei einem ganz besonderen Thema sind: Dem Kochen.

Ich würde nicht sagen, dass ich eine der Frauen bin, die gerne und täglich hinterm Herd steht, aber Kochen bereitet mir Freude, vor allem das Experimentieren mit neuen Gerichten und Zutaten. Dazu sollte vermerkt werden, dass meine Ernährung sehr gesund ist, mindestens fünf Portionen pro Tag an Obst und Gemüse beinhaltet und auch sonst auf das allgemeine Wohlbefinden ausgelegt ist. Das tue ich nicht, um schlank und fit zu bleiben, sondern weil es mir einfach schmeckt.

Ja, und dann kam Schatzi. Typisch bayerisch eben mit viel Fleisch und Klößen auf dem Speiseplan, alles musste irgendwie mit Käse überbacken werden und eine dickflüssige Soße sollte den Inhalt des gesamten Tellers bedecken. Lange Rede, kurzer Sinn: Kochen ging mir ziemlich schnell auf die Nerven, denn ich konnte im Prinzip immer zwei verschiedene Gerichte kochen, denn wehe, wenn sich auch nur eine Erbse auf den Teller meines Mannes verirrte…

Gut, die Geschmäcker sind verschieden und ich esse auch nicht alles (Auberginen, wer hat die erfunden!), aber ich habe es noch nie erlebt, dass man(n) absolut Null-Komma-Doppel-Null Gemüse oder Salate isst.

Selbst wenn ich nur einen Hauch von frischem Schnittlauch auf die Spiegeleier oder das Omelett streute, wurde es als Rough (Für Golflaien: hohes Gras am Rand des Fairways eines Golfplatzes) bezeichnet. Aber dann eine komplette Packung Spinat mit Fischstäbchen zu essen, das wollte nicht in meinen Kopf hinein.

Eines Tages war auf einmal eine kleine Wandlung erkennbar. Gebratene Paprickascheiben wurden ohne Wenn und Aber einfach gegessen und schließlich ging es sogar so weit, dass es fast jeden Abend einen Salat gab, mit Putenstreifen oder einfach nur mit grünen Blättern.

Und wiederum kam es dann eines schönen Tages sogar soweit, dass Schatzi einen grünen Smoothie wollte. Ich weiß nicht mehr, wie lang ich ihn mit großen Augen anstarrte, aber es fühlte sich sehr lange an. Schatzi hatte begeistert einen Artikel über Golflegende Gary Player gelesen, in dem der 81-Jährige stolz erzählte, dass er nur durch den täglichen Genuss eines ganz bestimmten Smoothies so fit und fidel bleibt. Nachdem ich mir die Zutaten angeschaut hatte, war nicht nur der Smoothie grün, sondern auch mein Gesicht. Ich bin ja einige sonderbare Kreationen von trinkbaren Grünzeug gewohnt, aber das übertraf meine Vorstellungen: Knoblauch, Mangold, Sauerampfer, Brennnesseln sind nur ein paar Beispiele. Noch entsetzter könnt ihr euch meinen Gesichtsausdruck ausmalen, als Schatzi dann wiederum ohne Wenn und Aber ein großes Glass von dem grünen Wundertrunk in einem in sich hineinkippte und noch dazu sagt, wie gut es geschmeckt hatte.

Wie auch immer unsere Männer vielleicht zum gesünderen Essen bewegt werden können, in meinem Fall war ich über den kleinen aber feinen Artikel in einer Golfzeitschrift sehr dankbar. Und Kochen macht mir jetzt wieder deutlich mehr Spaß.

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