Dodo Newman

Die Querdenkerin

Dodo Newman ist eine Künstlerin. Sie wuchs in einer diplomatischen Familie auf, bereiste die Welt und lebte an den unterschiedlichsten und kreativsten Orten. Sie lernte die Kontraste zwischen Kommunismus, Diktator, Islam, Materialistischem, Armut, Spiritualität und Toleranz kennen. Sie erfuhr ihre Lebenserfahrungen von einem Extrem zum nächsten, was ihr später in ihren artistischen Expressionen weiterhelfen sollte.

Dodo wurde als Dorottya Noka in Ungarn geboren. Als sie zwei Jahre alt war, zog die Familie nach Indien, wo sie ihr Studium begann. Später ging es für die Familie in den Iran, wo sie die Italian School of Tehran besuchte (Scuola italiana „Pietro Della Valle“). Nach dieser Stippvisite beendete Dodo ihr Studium an der Polimoda Schule in Florenz, Italien, an der Amerikanischen Universität in Rom und schließlich an der englischen Universität in Reading.

Dodo Newman fing sehr früh mit der Malerei an. Seit 2003 ist sie eine professionelle Künstlerin und lebt in Berlin.

Schon immer war sie fasziniert von der Maltechnik von Jackson Pollock, bei den abstrakten Impressionen von Paul Jenkins und Noriyoshi Ishigooka wurden ihre Knie ganz weich. 2006 entwickelte sie schliesslich ihren ganz eigenen Signaturstil. Zwei Jahre danach wurde sie die Schülerin des Ungarischen Malers Jozsef Burkus für sechs Monate. Die Mutter einer Tochter ist die Erfinderin der flüssigen Harzmalerei, eine neuartige, artistische Möglichkeit, um bereits vorhandene Materialien zu verwenden. Sie hat ihre Entwicklung auch in verschiedensten Designbereichen angewendet.

Dodo ist jemand, die querdenkt, die nicht mit sondern gegen den Strom schwimmt. Dodo ist ein Mensch, der von Visionen getrieben wird, die man noch nie zuvor gesehen hat. Ihre Kollektionen, Ihre Kreationen gehören zu etwas ganz Einzigartigem.


Pablo Picasso hat einmal gesagt der größte Feind der Kreativität ist guter Geschmack, würdest Du dem zustimmen?
„Ich hätte das wahnsinnig gerne mit Picasso diskutiert. Ich glaube, dass die Hauptquelle der Kreativität und der Inspiration in der Vielfalt, in der Freiheit liegt. Originalität und Einzigartigkeit kommen Hand-in-Hand mit der Freiheit anders zu sein und ermutigen, von dem Üblichen wegzubrechen. Das kann wiederum als Ding mit „Gutem Geschmack“ bezeichnet werden. Trotzdem hat jeder Schöpfer einen natürlichen Instinkt, der die Sinne befriedigt und ein Gefühl des Kompletten gibt.“

Wann kam Dein Durchbruch als
Künstlerin?
„Mein persönlicher Durchbruch war der Moment, als ich mich dazu entschlossen hatte, den großen Schritt zu wagen und wirklich Künstlerin zu sein. Als ich 2008 nach Berlin zog, um meinen eigenen Weg zu finden und meinen Träumen zu folgen. Jedoch ist kein Weg eine gerade Linie, es gibt viele Abzweigungen sowie Höhen und Tiefen. Es ist die Reise die zählt, die Momente, ganz gleich ob sie manchmal dunkel oder voll mit Licht sind. So sehe ich jeden Moment, in dem ich Licht ins Dunkele bringe, einen Durchbruch.“

Die Materialien, die Du verwendest, sind sehr einzigartig, warum hast Du Dich für diesen Weg entschlossen?
„Ich liebe es mit neuen Farben, Materialien und verschiedenen Elementen zu experimentieren und zu finden. Es gibt keine Grenzen wenn wir über Kreativität sprechen. Es gibt keine Regeln was nicht und was vielleicht verwendet werden kann oder darf. Ich glaube ganz fest an Schönheit, genau die, die von innen kommt und natürlich ist. Es ist das gleiche Gefühl, wenn jemand ein Foto eines natürlichen Phänomens sieht, dass sich abhebt und einen Sinn für ein Wunder oder Mystisches hinterlässt. Das möchte ich den Menschen mit meinen artistischen Expressionen zurückgeben, denn mit dem Materialmix ist das möglich.“



Wie bereitest
Du Dich auf ein Gemälde vor?
“Ganz lange, bevor ich überhaupt mit einer neuen Serie anfange, habe ich schon das Gefühl dafür. Es ist ein langer Prozess, in dem ich Stück für Stück anhand Bildern, Visionen und Materialien etwas zusammenbaue. Jedoch bereite ich mich nicht direkt auf eine Artwork vor, da es ja ununterbrochen immer fortwährend ist. Ich fange mit all meinen Kreationen sofort an, wähle die Farben, die Materialien, die Werkzeuge. Es nimmt Dir die Luft zum Atmen: Es ist wichtig, aber sehr spontan.“

In den Tagen vor einer wichtigen Ausstellung, wie gut kannst Du schlafen?
„Ich hatte vor kurzem einen sehr kostbaren Event, in dem Botschaften und Nationen von gut 12 Ländern involviert waren. Die Vorbereitungen können schon müde machen, aber ich versuche immer den Tag vor der Eröffnung freizuhalten, damit ich Ich sein kann und meine positiven Energien finde. Das ist sehr wichtig für mich, weil ich bei den Events mit so vielen Menschen wie nur möglich sprechen möchte. Es geht nicht nur darum, die Kunst auszustellen, sondern darum mit den Besuchern zu kommunizieren, Gefühle auszutauschen. Ich liebe es, Menschen zuzuhören und ihre Gefühle zu teilen und aufzunehmen, und vor allem ihre eigenen Impressionen zu erfahren.“

Wie sind Deine Freundschaften mit Deinem Berufsleben verbunden
?
“Das ist eine sehr gute Frage (lacht)…Kunst ist Leben an sich, diese zwei können nicht getrennt warden. Somit nimmt jede Verbindung und alles in meinem Leben automatischen an meinem kreativen Leben teil. Jede Freundschaft und Beziehung ist Teil der Reise, die in den Kreationen zustande kommen. Jede Person in meinem Leben spielt auf irgendeine Art und Weise eine Rolle auf meinem artistischen Weg. Sie alle tragen direkt oder indirekt zu dem bei, was ich heute bin.“

Gibt es irgendetwas
, dass Du bereust?
“Nein, gar nichts. Die Vergangenheit ist vorbei und die Zukunft kann man sich nur erträumen. Was zählt, ist das Hier und Jetzt und die Momente wie Geschenke jeden einzelnen Tages. Diese Geschenke sind immer um uns herum, etwas in einem Lachen, und wir können genau das mit einem Lachen wiedergeben.“

In Deinem Studio stapeln sich CDs und Schallplatten, welche Musik inspiriert Dich am meisten?
„Das hängt immer von meiner Stimmung, meiner Emotion, meinen Visionen, der Farben ab….Jede Musik hat ihren eigenen Vibe und es ist immer so ein Bauchgefühl, was gerade zu dem jeweiligen Moment passt. Musik bedeutet die Verbindung von Sound und visuellen Elementen, darum kann es auch den Prozess der Kreation verbessern. Manchmal ist aber auch die Stille die beste, vibrierende Quelle. Es passiert sehr oft, dass ich meine kräftigste Energie in meiner inneren und äußeren Ruhe finde, und meine besten Kreationen konnte ich in diesem Moment der Stille realisieren.“

Was ist f
ür Dich Sinn und Zweck von Kunst?
„Es ist für mich der größte Segen, dass ich meinem wahren Weg folgen kann. Dass ich meine größten Ablenkungen und Hindernisse in meinem Leben in Herausforderungen formen kann, diese wachsen lasse und entwickle und sie allmählich an die Menschheit zurückgeben kann. Das habe ich alles durch das Talent gelernt, dass mir in die Wiege gelegt wurde. Kunst ist mein Werkzeug für Menschen, nach innen zu kehren und den Kern ihres Wesens zu fühlen, Teil des Universums zu sein. Genau das bewegt mich und durch mich, meine Kunst natürlich auch.“

Welche Kunstwerke sind bei Dir zu Hause? Viele von Dir oder auch von anderen K
ünstlern?
„Meine Wände sind voll mit meinen eigenen Kunstwerken. Ich könnte es mir gar nicht ohne sie vorstellen. Und da ich ja viel ausstelle, wechselt meine Wand ständig. Ich habe mal alle meine Schätze von meiner Wand zu einer Ausstellung gebracht und mein Apartment sah komplett nackt aus. Ich hätte gar nichts dagegen, weniger Möbel zu haben, aber ich kann mir Wände ohne meine Farbe nicht vorstellen.“

Was bereitet Dir Angst und wie verwandelst Du sie um?
„Ängste gehören zu unserem menschlichen Leben dazu. Ich habe von meiner eigenen Vergangenheit viele Ängste, von traumatischen Erfahrungen als auch von schmerzhaften – Angst, von meiner eigenen Quelle abgekoppelt zu sein. Wann immer meine Ängste auftauchen, versuche ich sie als Teil meiner „dunklen Seite“ zu akzeptieren und wenn ich sie betrachten kann und durch sie hindurchsehe, dann kann ich sie gehen lassen. Ich versuche von meinen Ängsten zu lernen, denn sie sind wichtige Zeichen um sich selbst zu akzeptieren und zu lieben.Ich liebe es, tief darin zu versinken und das Verständnis für den menschlichen Körper zu erlauben, barmherzig mit mir zu sein ohne meine Erfahrungen zu bewerten.“

„Unsere eignen Ängste zu bewältigen ist ein Prozess und ich wünsche mir, dass andere das durch meine artistischen Expressionen ansehen können. Ein Teil davon ist das Verständnis, das dann wiederum in die Magie des Lebens verwandelt werden kann. Wir rennen oft vor unseren Ängsten davon und erlauben ihnen, ein Element zu werden. Mein Ziel ist es, Menschen dazu zu bewegen, diese Erfahrungen mit meiner Kunst zu erleben und durch die anderen Arten meiner Kommunikation.“

Du, in drei Worten.
“Warm, Offenherzig, Inspirierend.”

Herzlichen Dank Dodo, Du bist eine wahre Inspiration for jeden!

Interview und Text: Jasmin Müller
Fotografien: ©Dodo Newman

Dodo hat vor Kurzem Ihre Internetseite neu gelauncht. Besonders die Rubrik „Aristic Expression“ ist ein Besuch wert.

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